Von Torsten Lauer
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen leitende Mitarbeiter von Lafarge Roofing Components
Seit Monaten sollen leitende Mitarbeiter des Dachsystemherstellers Lafarge in Oestrich-Winkel Betriebsräte massiv unter Druck gesetzt und schikaniert haben. Die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) hat bei der Staatsanwaltschaft Wiesbaden Anzeige erstattet. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte lediglich den Eingang der Anzeige. Derzeit werde ermittelt, heißt es. Ob es zu einer Anklage kommen werde, sei noch offen. Das Klima im Lafarge Roofing Werk im Stadtteil Mittelheim dürfte dadurch noch mehr angeheizt werden. 90 Einzelklagen aus der Belegschaft laufen bereits beim Arbeitsgericht Wiesbaden wegen Eingruppierungen, 50 Klagen wegen einer gekündigten Nachtschichtzulage, mehrere Kündigungsschutzklagen, betriebliche Auseinandersetzungen um Wochenendarbeit und den Einsatz von Leiharbeitnehmern. "Das Fass ist schon längst voll und die Stimmung im Keller", klagt der Betriebsratsvorsitzende Erdal Sahin. Der Großteil unter den gewerblich Beschäftigten im Spritzgusswerk sei verbittert und der Krankenstand in die Höhe geschnellt, sagt er. Sahin und fünf weitere Kollegen im Betriebsrat fühlen sich zudem bei ihrer Arbeit behindert. Sie hätten ohne Grund Gehaltskürzungen hinnehmen müssen und einer habe sogar eine Kündigung erhalten, beklagen sie. Zudem seien ihre Angehörigen, die ebenfalls im Werk in Oestrich-Winkel arbeiten, schikaniert und in einem Fall unberechtigt abgemahnt worden. Da die Situation sich immer mehr verschlimmere, habe sich der Betriebsrat an die IG Bau Wiesbaden-Limburg gewandt, die nun Anzeige bei der Staatsanwalt Wiesbaden erstattet hat. "Mehrere Betriebsräte sind seit Monaten massiv unter Druck gesetzt worden. Es blieb uns nichts anderes übrig, als Anzeige zu erstatten", erklärte der Bezirksgeschäftsführer der IG Bau Veit Wilhelmy. "Lafarge Roofing ist von offizieller Seite mit keinem Tatvorwurf konfrontiert worden", teilte Ralf Krenzin, Pressesprecher von Lafarge Roofing, auf Anfrage dieser Zeitung mit und ergänzte: "Auch auf Nachfrage konnte uns die Staatsanwaltschaft Wiesbaden keine Einzelheiten nennen." Zu den Vorwürfen der IG Bau möchte das Unternehmen derzeit nicht Stellung nehmen.

