Niedrigpreis-Angebote sprechen Konsumenten an / Ramsch nicht gefragt
DORTMUND (dpa) Ob Sekundenkleber, Hundeshampoo oder Mona-Lisa-Druck: Wer in einer Filiale der Discounter Tedi oder EuroShop einkauft, braucht sich fast nur einen einzigen Preis zu merken: ein Euro. Die Läden verzeichnen regen Zulauf.
Der Verkauf von Restposten und eigens hergestellten Ein-Euro-Artikeln zu glatten Preisen kommt an: Marktführer Tedi mit Sitz in Dortmund zählt mehr als 500 Läden. EuroShop in Dettelbach bei Würzburg kommt derzeit auf gut 100 Geschäfte. Zahlreiche Ein-Euro-Artikel gibt es auch in den derzeit rund 220 Filialen von Mäc-Geiz, deren Zentrale in Landsberg (Sachsen-Anhalt) liegt. Alle planen neue Geschäfte. Bei Tedi kostet ein Großteil, bei EuroShop bis auf die Einkaufstüte ausnahmslos alles 100 Cent, egal ob Rotweinflasche, Taschenwärmer oder elektrische Nagelfeile. Für den Braunschweiger Marketing-Experten Prof. Wolfgang Fritz ist der Grund für das starke Wachstum der Ein-Euro-Discounter ihre "glasklare Niedrigpreisorientierung". Sie spreche die Konsumenten an, "für die der niedrige Preis immer noch der "größte Kick" ist". Die Preisorientierung des Käuferverhaltens habe in den vergangenen 15 Jahren eindeutig zugenommen und die "Discountisierung der Gesellschaft" begünstigt", sagt der Wissenschaftler. Viele Marktforschungsinstitute sähen allerdings den Niedrigpreistrend an einer Grenze: Den Konsumenten gehe es immer mehr auch um den Wert, den sie tatsächlich erhalten. Der Geschäftsführer der EuroShop-Muttergesellschaft J.E. Schum, Jürgen Scheller, bestätigt: "Es darf kein Ramsch sein. Wir müssen mit Qualität überzeugen." Zielgruppe von EuroShop seien "alle, die sparen müssen und alle, die sparen wollen". EuroShop setzt dabei vor allem auf Passanten, die für einen Impulskauf empfänglich sind. Die Filialen liegen in guten Lagen von Großstädten und in Top-Lagen in Städten mittlerer Größe. EuroShop will sich mit einer Expansion ins Ausland erst 2009 beschäftigen. Auch Tedi strebt zunächst Wachstum in Deutschland an. Der deutsche Markt biete noch "sehr viel Potential", heißt es in der Zentrale. Ansonsten verrät das Unternehmen nicht viel über sich. Über Umsatz und Ertragslage schweigt sich Tedi-Mehrheitseigner Stefan Heinig, der auch Chef der Textilkette KiK ist, ebenso aus wie über die Eigentumsverhältnisse. EuroShop gibt den Jahresumsatz für das Geschäftsjahr 2006/07 (30. Juni) mit 45 Millionen Euro an. "Wir machen Gewinn. Wir sind zufrieden", sagt Scheller. Bei Tedi arbeiten derzeit nach eigenen Angaben rund 4000 Menschen. Bei EuroShop sind es rund 700, die Hälfte davon Teilzeit- und Aushilfskräfte. Wieviele Unternehmen mit wieviel Filialen zum Segment der "Euro-Discounter" mit ihrer Festlegung auf niedrige und glatte Preise genau zählen, kann Fritz nicht sagen. Zuverlässiges Datenmaterial gebe es nicht. "Man kann aber davon ausgehen, dass es inzwischen über 1500 solcher Shops in Deutschland gibt", sagt er. Eine Abgrenzung zu Rest-und Sonderpostenmärkten sei jedoch schwierig. Den Marktanteil schätzt er auf unter ein Prozent des Gesamtumsatzes des Konsumgüter-Einzelhandels in Deutschland. In den USA liege der Anteil vergleichbarer Shops derzeit bei etwa 1,7 Prozent. "Dort gibt es diese Shops aber auch schon viel länger."

