Von Adelheid Omiotek
JOBCENTER Männer werden bei der Vermittlung und Förderung stärker berücksichtigt
/WIESBADEN. Frauen werden bei der Jobvermittlung benachteiligt und profitieren seltener von Förderprogrammen als Männer. Das belegt eine gemeinsame Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) und weitere Forschungseinrichtungen im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums. Wie die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung schreibt, haben die Wissenschaftler die Umsetzung der Hartz-IV-Reform aus Geschlechtersicht untersucht und festgestellt, dass die Gleichstellungspolitik "bislang nicht systematisch in die Prozesse und Abläufe der Jobcenter integriert ist." Gleichstellungsziele träten regelmäßig in den Hintergrund, nicht zuletzt weil die Ämter vor Ort allein um wirtschaftliche Effizienz und niedrige Kosten für Transferleistungen bemüht seien.
So schreibt die Böckler-Stiftung: "Bei einem hilfebedürftigen Paar mit einem Kind heißt das: Der Arbeitsvermittler ist in erster Linie daran interessiert, den Mann in einen Vollzeitjob zu vermitteln. Sofern dies gelingt und die neue Stelle ausreichend bezahlt ist, überspringt die Familie die Bedürftigkeitsschwelle und die Grundsicherungsstelle ist nicht weiter zuständig."
Weiter heißt es, Frauen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, habe für den Arbeitsvermittler dagegen eine geringere Priorität, weil es schwieriger sei. So müssten etwa Betreuungsmöglichkeiten für Kinder gefunden werden, was insbesondere in Westdeutschland schwierig sei. Damit Frauen ein existenzsicherndes Arbeitseinkommen erzielen könnten, wären zudem häufig umfangreiche Weiterbildungsmaßnahmen nötig, da klassische Frauenberufe oft unterdurchschnittlich bezahlt seien. Trotz ihres Auftrags, "in Bedarfsgemeinschaften alle erwerbsfähigen Mitglieder zu aktivieren, begnügten sich viele Arbeitsvermittler in der Praxis damit, dass Frauen Kinder betreuen und allenfalls in Mini- oder Teilzeitjobs mit wenigen Stunden arbeiteten, bedauert die Böckler-Stiftung.
Die neuesten Daten des Gender-Index für Deutschland sind ebenfalls eindeutig: 2007 bekamen von 1000 männlichen Langzeitarbeitslosen in vielen Regionen mehr als 40 Eingliederungszuschüsse, um wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Bei Frauen lag der Wert meist unter 20.
Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit bestätigen die Studie. So waren in Hessen 2007 von insgesamt 150516 geförderten Menschen in der Trägerschaft SGB II 87650 (58,2 Prozent) männlich und 62866 weiblich. 2008 waren von 155225 Geförderten 89093 oder 57,4 Prozent männlich. Allerdings weiß Steffen Römhild von der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit Tröstliches für Frauen zu berichten, und zwar, dass diese in den vergangen Monaten weniger von Arbeitslosigkeit als Männer betroffen waren. Die aktuelle Krise sei männlich und jung. Carola Voelkel, Chefin der Wiesbadener Arbeitsagentur, sagt entschieden: "Bei der Förderquote von Frauen liegen wir im grünen Bereich".

