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Wirtschaft 

Preiserhöhung im Jahrestakt

30.08.2008

Von Bernd Röder

Bahn erhebt erstmals Bedienzuschlag/Fahrgastverbände protestieren

BERLIN Alle Jahre wieder wird fast alles teurer bei der Deutschen Bahn. In der kommenden Adventszeit beschert der staatseigene Konzern seinen Fahrgästen eine Fahrpreiserhöhung von 3,9 Prozent im Durchschnitt.

Die Preiserhöhung der Bahn zum Fahrplanwechsel im Dezember ist die fünfte Anhebung im Jahrestakt seit 2004. Bahn-Vorstandsmitglied Karl-Friedrich Rausch nennt sie "einen moderaten Anstieg im Vergleich zu dem, was anderswo gemacht wird". Autofahrer und Flugreisende seien im Vergleich stärker belastet worden. Und doch erntet Rausch von Verkehrs- und Umweltverbänden einen Proteststurm: Falsches Signal, falsche Strategie, falscher Weg, schallt es der Bahn zwei Monate vor dem Börsengang entgegen. Für den Kauf von Fernverkehrstickets am Schalter verlangt die Bahn künftig einen neuen Servicezuschlag von 2,50 Euro. Davon betroffen sind nach der jüngsten Bahn-Statistik 43 Prozent aller Kunden - die übrigen 57 Prozent bevorzugen das Internet oder den Automaten. Wer seinen Fahrschein im Internet oder am Automaten erwirbt, zahlt je nach Strecke 2,6 bis 4,7 Prozent mehr als bisher. Notwendig sei die Preiserhöhung, weil die Energie- und Personalkosten stark gestiegen seien, sagt Vorstand Rausch. Diesel sei binnen Jahresfrist um 80 Prozent teurer geworden, Strom um 50 Prozent. Wie stark die Bahn davon betroffen ist, sagt er nicht. Das Unternehmen federt Energiepreissprünge mit langfristigen Lieferverträgen ab. Rausch berichtet, die Tarifabschlüsse hätten die Personalkosten um elf Prozent nach oben getrieben. Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn hält teurere Fahrscheine dennoch nicht für nötig. Die Bahn habe zuletzt ein ordentliches Wachstum bei Umsatz und Gewinn erzielt. Bahnkunden müssen folgende Änderungen beachten: Ticketpreise: Fahrkarten für Fernzüge und im Regionalverkehr außerhalb von Verkehrsverbünden werden im Schnitt 3,9 Prozent teurer. Zweiter Klasse kostet es im ICE zum Beispiel von Frankfurt nach München 89 statt bisher 85 Euro. Bahncards: Der Preis einer Bahncard mit 50-Prozent-Rabatt steigt von 220 auf 225 Euro, eine Bahncard mit 25 Prozent Ermäßigung kostet künftig 57 statt 55 Euro. Bedienzuschlag: Beim Kauf von Fernzugtickets, Sparpreis- und Auslandsfahrkarten am Schalter oder über Callcenter werden künftig 2,50 Euro extra kassiert. Reine Beratung ist weiter kostenlos, von dem Zuschlag ausgenommen sind Menschen mit einem Behinderungsgrad ab 70 Prozent. Der Kauf von Nahverkehrstickets bleibt zuschlagsfrei. Erste Klasse: In der Ersten Klasse steigen die Preise stärker. Ein Ticket kostet künftig 1,62-mal (bisher: 1,60-mal) mehr als eines in der Zweiten Klasse. Tickets für bis zu fünf Reisende: Das Schöne-Wochenende-Ticket kostet 37 statt 35 Euro. Die Preise für Ländertickets werden um einen Euro angehoben. Platzreservierung: Die Preise für einen garantierten Sitzplatz in Fernzügen bleiben stabil bei zwei Euro (Automat und Internet) beziehungsweise vier Euro (am Schalter). Spezial-Preise: Das Angebot "Dauer-Spezial" mit monatlich einer Million Tickets zu 29 bis 69 Euro für ausgewählte Fernstrecken wird bis Ende 2009 verlängert. Neu hinzu kommen Erste-Klasse-Tickets ab 49 Euro. Das Angebot "Europa-Spezial" wird auf Osteuropa ausgeweitet. Telefon-Service: Über alle wichtigen Leistungen der Bahn sollen sich Fahrgäste vom 14. Dezember an unter der neuen einheitlichen Telefonnummer 01805 / 996633 informieren (14 Cent/Minute) können.

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