Crédit Mutuel kauft Institut für 4,9 Milliarden Euro / Deutsche Bank geht leer aus
NEW YORK/DÜSSELDORF (dpa) Mit der Citibank Deutschland wechselt einer der bundesweit wichtigsten Kreditgeber für das Einkaufen auf Pump den Besitzer.
Der unter Druck geratene US-Finanzkonzern Citigroup verkauft die Citibank Deutschland für 4,9 Milliarden Euro plus Gewinnanteil für das laufende Geschäftsjahr an die französische Genossenschaftsbank Crédit Mutuel. Das Milliarden-Geschäft solle im vierten Quartal über die Bühne gehen, teilte die Citigroup am Freitag mit. Ein Jahr nach dem Ausbruch der internationalen Finanzmarktkrise steht damit die erste große Übernahme in der deutschen Bankenszene fest, die Verbraucher betrifft. Die Deutsche Bank zog den Kürzeren in dem Bieterkampf um die Citibank Deutschland. Ein Schilderwechsel an den 340 Filialen der Citibank Deutschland in über 200 Städten steht nicht unmittelbar bevor. Dem Vernehmen nach soll der Name für einen gewissen Übergangszeitraum bestehen bleiben Die Citibank Deutschland betreut nach eigenen Angaben 3,25 Millionen Kunden und hat rund 6 800 Mitarbeiter. Wie aus Unternehmenskreisen weiter verlautete, soll es in den kommenden 18 Monaten keine betriebsbedingten Kündigungen und keine Niederlassungsschließungen geben, so dass sich für die Millionen Kunden der Citibank Deutschland nichts ändere. Auch Crédit Mutuel hielt sich auf Anfrage bedeckt: "Es wird vorerst keine Veränderungen geben", sagte Konzernsprecher Bruno Brouchiquan der Deutschen Presse-Agentur. Die Citibank Deutschland sieht sich selbst als Marktführer im Konsumentenkreditgeschäft mit einem Marktanteil von sieben Prozent und als einen der größten Kreditkartenherausgeber in Deutschland. Allerdings sieht sich auch die Santander Consumer Bank als der Marktführer im deutschen Konsumentenkreditgeschäft. Sie veranschlagt ihren Marktanteil auf zehn Prozent. Bei den Konsumentenkrediten geht es um zweckgebundene Finanzierungen von Konsumgütern. Den Verbrauchern in Deutschland werden immer häufiger Finanzierungen angeboten, wenn sie im Einzelhandel einkaufen gehen. Das reicht von Möbeln bis hin zu Fernsehern. Konsumentenkredite können aber nicht nur bei den Händlern vor Ort, sondern auch in den Bankfilialen abgeschlossen werden. Der Kauf auf Pump ist ein wachsendes Geschäftsfeld für die Banken. Der Verkauf der Düsseldorfer Bank-Tochter bedeutet für den US-Giganten Citigroup aber nicht den Komplettrückzug aus Deutschland. "In Deutschland bleiben unsere leistungsstarken Teams für das Firmenkundengeschäft und für das Investment Banking, das Herzstück unserer Strategie, und wir werden alles dafür tun, ihre führende Position in diesem Markt zu behaupten", erklärte Konzernchef Vikram Pandit in einer Mitteilung. Die Deutsche Bank war Finanzkreisen zufolge bis zuletzt im Bieterrennen um die Citibank Deutschland dabei, aber nicht bereit, den Preis am oberen Ende einer Spanne von drei bis fünf Milliarden Euro zu zahlen. Die Bank kommentierte das nicht. Chef Josef Ackermann hatte wiederholt betont, dass bei Zukäufen auf den Preis geachtet werde und der Zukauf dauerhaft Wert schaffen müsse. Die von der Finanzkrise schwer in Mitleidenschaft gezogene Citigroup kann sich unterdessen über einen satten Sondergewinn freuen: Unter dem Strich soll der Verkauf einmalig vier Milliarden Dollar einbringen. Auch die Kapitaldecke wird deutlich gestärkt. Zusätzlich zu dem genannten Kaufpreis gehen die Gewinne der Citibank so lange an die Citigroup, bis der Verkauf in trockenen Tüchern ist. 2007 verdiente die Citibank Deutschland, deren Zentrale in Düsseldorf steht, 365 Millionen Euro. Die Bilanzsumme der Citibank Deutschland belief sich Ende 2007 auf 13,49 Milliarden Euro.

