Der wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe angeklagte Rechtsanwalt Michael Wolski ist einem medizinischen Gutachten zufolge „körperlich und geistig“ verhandlungsfähig. Wegen seiner seelischen Probleme solle er allerdings täglich nicht länger als sechs Stunden und nicht länger als eine Stunde am Stück dem Prozess beiwohnen, stellt die Medizinerin in ihrem am Dienstag vor dem Landgericht Darmstadt verlesenen Papier fest. Wolski sagte, er selbst halte sich wegen seiner seelischen Verfassung nicht für solange verhandlungsfähig.
Der 61-Jährige hatte kurz nach Verhandlungsbeginn im Oktober 2009 versucht, sich umzubringen und galt danach für mehrere Wochen als verhandlungsunfähig. Das Landgericht Darmstadt gab das Gutachten in Auftrag. Es hatte zuletzt in Abwesenheit des Angeklagten weiter verhandelt. Dabei war es unter Berufung auf ein psychiatrisches Gutachten davon ausgegangen, dass sich Wolski vorsätzlich mit einer Selbstverletzung der Verhandlung hatte entziehen wollen.
Der Ehemann der Staatsgerichtshof-Richterin Karin Wolski soll zwischen 1999 und 2003 Einkommen- und Umsatzsteuer von fast 2,6 Millionen Euro hinterzogen haben. Er erhielt laut Anklage von einer vermögenden Mandantin unter anderem Geld, ein Haus auf Mallorca und einen Ferrari. Eine ehemalige Sekretärin des Angeklagten wurde am Dienstag erneut vor Gericht zum Verhältnis Wolskis zu der vermögenden Frankfurterin befragt, machte aber erneut keine genauen Aussagen. [Landgericht Darmstadt]: Mathildenplatz 13 und 15, 64283 Darmstadt

