In Afghanistan getöteter Bundeswehr-Mediziner kam aus Wiesbaden
19.04.2010 - WIESBADEN
Von Manfred Gerber
Im Dotzheimer Ortsteil Märchenland trauert Angelika Broer um ihren einzigen Sohn Thomas. Der Bundeswehr-Mediziner, Oberstabsarzt Dr. Thomas Broer (33), war am Donnerstag bei einem Angriff der Taliban in der Nähe von Baghlan getötet worden. Die Taliban hatten das gepanzerte Sanitätsfahrzeug vom Typ "Yak", das gerade im Bergungseinsatz war, in eine Sprengfalle gelockt. Broer hatte den von einer Rakete getroffenen Kameraden eines gepanzerten Fahrzeugs vom Typ "EagleIV" zu Hilfe kommen wollen.
Am Donnerstagabend gegen 20.30 Uhr klingelte ein Oberstleutnant der Bundeswehr bei Angelika Broer an der Wohnungstür, um der Mutter die schreckliche Nachricht zu überbringen. Schockiert war sie umso mehr, als keiner in der Familie mit einem solchen Unglück gerechnet hatte. Im Gegenteil: Man wartete auf die Rückkehr von Thomas Broer. Der war zwar recht kurzfristig von seinem Standort Ulm, wo er zuletzt wohnte, nach Afghanistan abkommandiert worden, aber nur vertretungsweise für vier Wochen. Noch zehn Tage, dann wäre er wieder von seinem Einsatz zurückgekehrt. Im Sommer hätte er seine Facharzt-Ausbildung zum Dermatologen beendet.
Medizin in Mainz studiert
Thomas Broer besuchte die Grundschule im Schelmengraben und machte an der Carl-von-Ossietzky-Schule, dem Oberstufen-Gymnasium in Klarenthal sein Abitur. Medizin hat er während der Bundeswehrzeit in Mainz studiert. Broer hinterlässt eine Ehefrau, aber keine Kinder. In Wiesbaden besaß er noch viele enge Freunde aus seiner Schul- und Handballzeit beim TuS Dotzheim, wo er von der E- bis zur A-Jugend spielte.
Thomas Broer war auch mit Nationalspieler Jan-Olaf Immel befreundet, mit dem er zeitweise zusammen Handball gespielt hatte. Immel veranlasste, dass am Samstag beim Landesligaspiel des Dotzheimer Meisterteams gegen die MSG Linden des getöteten Kameraden in einer Schweigeminute gedacht wurde.
Trauerfeier am Freitag
Eine offizielle Trauerfeier für Thomas Broer wird voraussichtlich am Freitag in Ingolstadt stattfinden. In Ingolstadt deshalb, weil drei weitere, im Panzerfahrzeug "Eagle IV" getötete Soldaten, aus Bayern sind. Der Termin ist allerdings höchst unsicher, weil keiner weiß, ob die nächsten Tage der wegen der isländischen Vulkanasche gesperrte europäische Luftraum freigegeben ist und die vier Leichname nach München geflogen werden können.
Nähere Einzelheiten für die Trauerfeier stehen noch nicht fest. Thomas Broers Beisetzung erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt auf dem Dotzheimer Friedhof.

