Ostern auf dem Neroberg in Wiesbaden - Kletterspektakel für Jung und Alt
03.04.2010 - WIESBADEN
Von Laura-Julie Weißkopf
Durch das Braun der Bäume glänzen die Kuppeln der griechischen Kapelle – auch ohne Sonnenlicht. Ein junger Mann knipst mit seiner Spiegelreflexkamera. Seine Freundin posiert zwischen den Säulen des Monopteros. Daneben steht seine Großmutter Erna und bewundert den Blick über Wiesbaden. "Wir kommen aus dem Flachland", sagt die alte Dame, die aus der Nähe von Hannover angereist ist, "Da ist das hier schon was anderes.“ Auf den Neroberg zieht es am Wochenende trotz des durchwachsenen Wetters Wiesbadener und ihren Osterbesuch.
„An den Ostertagen ist immer viel los“, sagt Volker Hohmann, stellvertretender Betriebsleiter der Nerobergbahn. Am sonnigen Karfreitag seien knapp 3.000 Menschen mit Wiesbadens bekanntester Bahn gefahren. Während die Bahn nach unten fährt, lässt sich ein kleiner Junge von seinem Opa erklären, wie sie funktioniert. „Mit dem vielen Wasser im Bauch ist die Bahn so schwer, dass sie von allein den Berg herunter fährt“, sagt der ältere Herr. Stumm hört der Kleine zu und drückt seine Nase dabei an die Scheibe, dass das Glas beschlägt.
Osterevent im Kletterpark
Für Attraktionen auf dem Neroberg sorgte der Kletterwald mit seinem „Osterevent“. Mit Pfeil und Bogen können Besucher auf eine Zielscheibe in Ostereierform schießen oder eine Schatzsuche via GPS-System starten. Für die Kleinen gibt es einen Kletterparcours. Sicherheitstrainerin ist hier Marisa (19).
Die Schülerin ist ganz froh dem Ostertrubel entkommen zu sein. „Ich finde Onkel und Tante besuchen nicht so interessant“, sagt sie. Wer möchte, kann bei ihr versuchen ein Plastik-Osterei in einem auf den Helm geklebten Eierbecher über Baumstämme und Seile zu balancieren. „Wenn sie es schaffen, bekommen sie natürlich ein Geschenk“, sagt Kletterparkleiter Hao Lam und nickt in Richtung eines Korbs mit Schokoladeneiern. Und wenn sie es nicht schaffen? „Dann auch“, lacht er.
Der Gewinner des Tages hat aber nicht bei dem Geschicklichkeitsparcours mitgemacht, sondern gute Augen bewiesen. Hans-Helge (20) trägt neonfarbenen Osterhasenohren auf seinem Helm und hat vier der insgesamt zehn Kletterwald-Ostereier gefunden. Deshalb kann er heute mit drei Begleitern umsonst klettern. Zu sechst sind die Abiturienten aus Alzey angereist. Ganz so einfach sei es nicht gewesen, die Ostereier unter Laub und in Baumhöhlen zu entdecken, erzählt Hans-Helge „aber wer suchet, der findet.“ Nicht besonders schwer zu finden, ist hingegen Lehrerin Nicole Sommer-Kundel. Ihr lautes Kreischen und Lachen verrät sofort, wo sie ist. „Sag mal, wackelt das bei dir auch so?“ ruft sie über die Schulter und balanciert tapfer bis zu einer Plattform.
Unten versucht ein Mädchen ihren Wagen durch das Laub zu schieben, in dem eine Puppe mit neongelben Haaren den Kopf hängen lässt. Aus dem Wald stapft händchenhaltend ein Paar mittleren Alters. Im Amphitheater hüpft eine Familie die Stufen hinunter. „Und hopp“, rufen die Eltern und ziehen den Sohn mit. Ein paar Meter weiter hört man nur noch den Wind und die zwitschernden Vögel. Und vielleicht noch das Lachen von Nicole Sommer-Kundel, die an ihrem Sicherungsseil in den Baumwipfeln schwankt.

