Von Dierk Strothmann
Die Sentenz des römischen Imperators hält sich seit über 2000 Jahren
MÜNCHEN "Veni, vidi, vici" (ich kam, ich sah, ich siegte) - dieser Satz des Julius Cäsar ist weltberühmt. Aber was steckt eigentlich an historischen Vorgängen dahinter? Also: Cäsar schrieb die unsterblichen Worte vor 2055 Jahren in einem Brief an seinen Freund Amintius nach seinem Sieg bei Zela im August 47 v. Chr. und er verrät schon einiges über die Hintergründe. "Ich kam, ich sah, ich siegte", das klingt selbstgefällig und überheblich. Und eine gute Portion Selbstbewusstsein war auch sicher beigemischt, hatte der berühmte Römer doch seinen Gegner Pharnakes II., den König des Bosporanischen Reiches, geradezu vom Schlachtfeld gefegt. Das Bosporanische Reich war rund um die Straße von Kertsch angesiedelt, eine Meerenge zwischen Krim und Kaukasus, die das Asowsche Meer mit dem Schwarzen Meer verbindet. Revolutionäre zu Hause Dieser König Pharnakes hatte wohl gedacht, er könne einem nach weit verbreiterter Meinung machtpolitisch angeschlagenen Cäsar den Todesstoß versetzen, den ganzen Osten gegen ihn aufwiegeln und sich aus dem römischen Imperium verabschieden. Aber da lag er falsch, obwohl an vielen Stellen des Imperium Romanum der Baum brannte und in Rom selbst die Revolutionäre bereits die Messer wetzten, weil, wie man so sagt, die Mäuse auf dem Tisch tanzen, wenn die Katze aus dem Haus ist. Und deshalb schwingt bei "Veni, vidi, vici" auch viel Erleichterung mit, denn das politische Überleben des Gaius Julius Cäsar hatte an einem seidenen Faden gehangen. Der glänzende Erfolg über Pharnakes in der Nähe des heutigen 52000-Einwohner Städtchens Zile in der türkischen Provinz Tokat, für den Cäsar nur vier Stunden brauchte, brachte die Möchte-gern-Aufrührer dann doch ins Grübeln und ließ sie zurückzucken. Er war also doch nicht das willenlose Werkzeug der berauschenden Kleopatra, es war also doch nicht so, dass ihn der Sohn, den ihm die ägyptische Königin erst kurz zuvor geboren hatte, zu einem friedvollen Familienvater gemacht hatte. Der alte Löwe konnte also immer noch beißen. Cäsar war zur Zeit der Schlacht von Zela 53 Jahre alt und hatte die vergangenen 20 Monate am Nil verbracht, völlig hingerissen von einer der betörendsten Frauen der Weltgeschichte. Auch im alten Ägypten ließ er nichts anbrennen. So sehr er auch Kleopatra begehrte, so war er dennoch offen unter anderem für die Reize der schönen Königin von Numidien, Eunoe. Zu Hause, in Rom, nannte man ihn "aller Frauen Mann und aller Männer Frau", er heiratete munter drauf los und verschaffte sich durch seine Ehen politische und finanzielle Vorteile, machte sich aber auch mächtige, weil eifersüchtige Feinde. Aber darum hatte er sich nie richtig gekümmert. Geschickt und skrupellos, mit überragender Intelligenz und einem untrüglichen Händchen dafür, was politisch machbar ist, war der Spross der zwar verarmten, aber alten und edlen Sippe der Julier unbeirrbar seinen Weg gegangen, hatte Niederlagen in Siege verwandelt, um schließlich der mächtigste Mann seiner Zeit zu werden. Aufräumen in Rom Und so wendete er auch diesmal das Blatt. Aber es war knapp. Schon in Ägypten wäre er fast ermordet worden, musste sich mit einem Aufstand der römischen Garnison auseinandersetzen, musste seine nicht verteidigungsfähige Flotte in Brand setzen (wobei auch ein großer Teil der unersetzlichen Schätze der Bibliothek von Alexandria in Flammen aufging), musste im Pfeilregen um sein Leben schwimmen, aber er überstand alles. Nun räumte er in Rom auf, ließ sich wieder zum Diktator ernennen, besänftigte das Volk, indem er alle Miet- und Pachtzahlungen unterhalb von 2000 Sesterzen aussetzte und tat auch den Konservativen den einen oder anderen Gefallen. Kurz: Die Katze war wieder da. Somit kann man das "Veni, vidi, vici" nach der Schlacht von Zela durchaus auch auf Rom beziehen, wenn auch nur für ein paar Jahre. Denn da gab es die Iden des März des Jahres 44 v. Christus, und da gab es einen Brutus und noch ein paar andere Meuchler . . .

