Von Claudia Nauth
Orientalist Hans-Peter Raddatz warnt vor Blauäugigkeit des Westens in der Auseinandersetzung mit dem Islam
"Es muss möglich sein, kontroverse Argumente auszutauschen," sagt der promovierte Orientalist, Buchautor und Volkswirt Hans-Peter Raddatz. Und das tut er dann auch: Eindringlich warnt Raddatz vor einer zunehmenden Islamisierung der Europäischen Union und geißelt verharmlosende Sprachregelungen, die der islamistischen Propaganda aufsitzen. Es gehöre zum Glauben, Nicht-Muslime zu betrügen, sagt er seinen Zuhörern beim Frankfurter Salon der Deutschen Flugsicherung (DSF). Jeder sollte prüfen, "was Muslime uns auftischen". Sätze wie diese haben Raddatz den Ruf eines Islamkritikers eingebracht - und den Unmut vieler Muslime, der im vergangenen Jahr in der Affäre um ein als Mordaufruf verstandenes "Internet-Gebet" des Portals Muslim-Markt gipfelte. Raddatz hat in mehreren Büchern wie "Allahs Frauen" oder "Von Allah zum Terror?" seine Thesen zur Unvereinbarkeit der islamischen Weltsicht mit den Grundlagen der westlichen Demokratien entwickelt. Und er warnt davor, muslimischen Interessen und Forderungen ohne gründliche Prüfung nachzugeben. "Wir sind ein Bekenntnis freier Staat," sagt er seinen Zuhörern im Kunstmuseum Städel. Die Diskussion mit den Muslimen dürfe deshalb nicht religiös, sondern müsse politisch geführt werden. Die islamische Religion solle auf ihre Inhalte abgeklopft werden. "Was schützen wir mit der Religionsfreiheit?", ist eine der zentralen Fragen für den 1941 geborenen Raddatz, der nach eigenen Angaben rund 15 Jahre in islamischen Ländern verbracht hat. Raddatz verweist in diesem Zusammenhang auf die islamische Rechtsvorstellung der Scharia, die alle Lebensbereiche der Muslime regeln soll, bis hin zu teilweise detaillierten zivilrechtlichen Vorgaben. Diese Idee verträgt sich seiner Meinung nach nicht mit dem Grundsatz des staatlichen Gewaltmonopols. Als Beleg führt Raddatz Beobachtungen aus muslimischen Gemeinden in Deutschland an, wo immer weniger Straftaten angezeigt würden. "Vorgänge werden unter den Muslimen selbst geregelt", beklagt Raddatz. Und: "Man lässt sogar Leichen verschwinden." Weiterer Einwand: die im Islam angestrebte Kontrolle der Frau durch den Mann. In der auf die Gleichheit von Mann und Frau verpflichteten Bundesrepublik werden laut Raddatz muslimische Frauen gezwungen "authentisch" zu leben. Für Besorgnis erregend hält er mittlerweile den Einfluss der Islamisten auf die hiesigen muslimischen Gemeinschaften. Außerdem warnt Raddatz vor einer Verharmlosung des im Islam propagierten "Dschihad" als reine Anstrengung im Glauben. Gewaltanwendung gehöre dazu, sagt Raddatz, der im Kurier-Interview auf "über 200 aggressive, unter anderem zum Töten von Menschen aufrufende Koranstellen" hinwies. Der Islam sei bestrebt, Widerstände gegen sich selbst zu beseitigen. Für Raddatz ergeben sich hieraus nicht zuletzt Konsequenz für die Zuwanderung von Muslimen. Noch erlaube sich der deutsche Staat den Luxus, nicht genau hinzuschauen. Eine solche Politik könne auch Hemmschuh für die volkswirtschaftliche Entwicklung sein. Länder wie die USA, Kanada oder Australien stellten an ihre Einwanderer dagegen strenge Anforderungen, sagte Raddatz. Es müsse in Deutschland deshalb erlaubt sein, den Nutzen islamischer Zuwanderung zu prüfen.

