Von Wolfgang Duveneck und Karl Morgenstern
Luftverkehr verdoppelt sich bis 2020 / Forscher arbeiten an Verringerung der Abgase
HAMBURG Kondensstreifen am blauen Himmel - bei vielen lösen sie Fernweh aus, Sehnsucht nach Urlaub und Sonne. Wissenschaftler dagegen sehen die weißen Streifen hinter Düsenjets zunehmend mit Sorge, denn sie beeinflussen unser Klima. In welchem Ausmaß sie schädlich wirken, darüber streiten die Forscher noch. Doch die Kondensstreifen sind nur ein sichtbares Zeichen des klimaschädlichen Luftverkehrs. Vor allem wirken freigesetztes Kohlendioxid und Stickoxide auf das Klima. "Klar ist, dass der Luftverkehr zur globalen Erwärmung beiträgt. Tendenz steigend", fasst Christiane Voigt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die bisherigen Erkenntnisse zusammen. "Der Luftverkehr ist weder Klimakiller noch Klimaengel", sagt Ulrich Schumann, seit 25 Jahren Direktor des Instituts für Physik der Atmosphäre des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Schumann gilt als einer der führenden europäischen Atmosphären-Forscher. In einem Gespräch mit dem "Magazin für Luft- und Raumfahrt" betont er, dass der Luftverkehr derzeit durch Emissionen von Kohlendioxid und Stickoxiden sowie Kondensstreifen je nach Berechnung zu zwei bis acht Prozent zum menschenbedingten Treibhauseffekt beitrage. Die beste Schätzung liege bei drei Prozent. Als weniger gravierend als bisher angenommen bezeichnet Schumann die Wirkungen von Kondensstreifen, die über Europa etwa 0,5 Prozent des Himmels bedecken. Schumann warnt jedoch davor, dass der Luftverkehr mit wachsendem Anteil weiter zum Klimawandel beitragen werde, wenn es der Luftfahrt nicht gelinge, ihre Klimawirkungen zu vermindern. "Der Treibstoffverbrauch pro Flugreise in die Ferne ist erheblich", sagt Schumann, "und vergleichbar mit dem Jahresbedarf für das Heizen einer kleinen Wohnung." Nach Prognosen der europäischen Flugsicherungsorganisation Eurocontrol dürfte sich der Luftverkehr bis 2020 verdoppeln. Derzeit hat er keinerlei internationale Verpflichtungen zum Klimaschutz. Christiane Voigt sieht den wachsenden Luftverkehr als Herausforderung. "Luftverkehr ist wichtig. Für viele Menschen ist eine Flugreise etwas Besonderes, ein Traum. Politik und Wirtschaft sind ohne Flugverkehr undenkbar. Man sollte natürlich nicht unnötig fliegen. Zum Beispiel sind beim Job manche Angelegenheiten auch durch Telefonkonferenzen zu erledigen", sagt sie. "Eine Verringerung des Treibstoffverbrauchs hat sowohl umweltpolitisch als auch wirtschaftlich Vorteile. Zudem kann man im Flugzeugbau leichtere Materialien benutzen oder Flugzeugform und Beschichtungen verändern." Ein Nachwuchsforscherteam des DLR, der Uni Mainz und des Max-Planck-Instituts für Chemie im Mainz hat unter Leitung von Voigt damit begonnen, den Einfluss der Flugzeugemissionen auf die Atmosphäre zu untersuchen. "Ziel ist es, die Entwicklung eines umweltverträglichen Flugverkehrs zu unterstützen", sagt die Wissenschaftlerin. "Wir möchten die Umweltfolgen des Flugverkehrs besser verstehen. Dann können wir Vorschläge machen, wie man die Klimawirkung des Luftverkehrs verringern kann - etwa durch Änderung der Flughöhe." Fluggesellschaften hoffen unterdessen vor allem auf einen einheitlichen europäischen Luftraum. "Dieses große europäische Klimaschutzprojekt steht seit Jahren ungenutzt auf der Agenda der EU-Mitgliedsstaaten", kritisiert beispielsweise die Lufthansa. Ein solcher Single European Sky würde der Umwelt acht bis zwölf Prozent CO2 ersparen.

