Von Ralf
Hyperinflation plagt das Land im südlichen Afrika/Regierung streicht zehn Nullen
HARARE 50 Milliarden Dollar für ein Bier: Im Simbabwe macht eine Inflationsrate von 2,2 Millionen Prozent das Leben zu einem harten Überlebenskampf. Diktator Robert Mugabe hat dennoch Hilfsorganisationen das Verteilen von Lebensmitteln untersagt.
E. Krüger Simbabwes arme Milliardäre können aufatmen. Dank einer Hyperinflation in Millionenhöhe wurden die Rechenkünste der Bevölkerung tagtäglich bisher auf eine arge Probe gestellt: sie jonglierten im Zahlungsverkehr bereits jenseits von Billiarden und Trillionen in schwindelerregenden Sphären. Immer wieder musste Präsident Robert Mugabes (84) Zentralbank-Gouverneur Gideon Gono (54) in der Vergangenheit zur Feder greifen und ein paar Nullen streichen lassen. Vergangenen Mittwoch war es wieder soweit: Zehn Nullen fielen bei der Landeswährung per Federstrich weg. Wertlose Geldbündel Es wurde höchste Zeit - auch wenn es am Grundübel der irrwitzig galoppierenden Inflation nichts ändert. Herkömmliche Portemonnaies reichen in Simbabwe seit langem nicht mehr für die Geldbündel, die meist in Plastiktüten kiloweise transportiert werden. Selbst Geldautomaten und Transfersysteme haben mitunter tagelang zu tun, um die atemberaubend hohen Nominalbeträge zu verarbeiten - dass der Wert der zu bearbeitenden Summe in der Zwischenzeit rapide an Wert verliert, kommt der Bank zugute. Die britische Barclays-Bank stellte ihre Geldautomaten nach Medienberichten sogar ganz ab, weil die Software für so hohe Summe nicht ausgelegt war. Bettler bückten sich kaum noch nach zehn Millionen-Scheinen, die sich mittlerweile im Ausland als Sammlerobjekt zunehmender Beliebtheit erfreuen. Selbst auf Ebay wurden bereits die ersten Exemplare gesichtet. Als besonders begehrt galt der vor einer Woche eingeführte 100-Milliarden-Dollar-Schein - zu dem Zeitpunkt gab es dafür gerade mal vier Orangen. Bei einer irrwitzigen Inflationsrate von derzeit offiziell 2,2 Millionen Prozent ist die Zahl der Orangen bereits drastisch geschrumpft, die es dafür gibt. Eine Flasche Bier - so sie sich denn finden lässt - kostet mittlerweile 50 Milliarden; oder, nach Streichung der Nullen, fünf Simbabwe-Dollar. Fraglich bleibt, wie schnell der Nominalwert diesmal wieder anschwillt. Obwohl in den ärmsten Ländern des Kontinents Brauereien normalerweise selbst zu Krisenzeiten weiter produzieren, hat die nationale Brauerei Natbrews längst ihre Tore geschlossen. Das gleiche gilt für eine der größten Bäckereien des Landes, Lobels Bakeries, die durch die staatlich verordnete Kostenkontrolle längst nicht mehr wirtschaftlich produzieren konnte. Die Herstellungskosten für einen Laib Brot liegen bei 800 Millionen Simbabwe-Dollar; der im Zuge der immer verzweifelteren Inflationsbekämpfung von der Regierung festgesetzte Verkaufspreis dagegen bei 440 Millionen. Arbeiten wird selbst bei einer Arbeitslosenquote von über 80 Prozent zum unerschwinglichen Luxus - die Kosten für die Busfahrt übersteigen in vielen Fällen das Monatsverdienst. Die Inflation ist längst Mugabes wichtigster Feind und droht, seinen eisernen Griff zu lockern. Stromausfälle, chronischer Mangel und Hyperinflation machen das Land weitgehend abhängig von Geld- und Hilfslieferungen, die kontinuierlich von den längst ins Ausland geflohenen Simbabwern an ihre zurückgebliebenen Angehörigen geschickt werden. Auf Hilfsorganisationen können sie nicht mehr zählen: die Regierung hat ihnen trotz hohem Bedarf die Lebensmittelverteilung untersagt.

