Entwicklungsministerin zu Besuch in Israel
Na./dpa JERUSALEM Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hat die fortgesetzten Raketenangriffe radikaler Palästinenser auf die israelische Stadt Sderot aufs Schärfste verurteilt. Die SPD-Politikerin traf gestern zu einem Besuch in Israel ein und führte in Jerusalem eine Unterredung mit dem israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres. Thema waren neben der Sicherheitslage auch die im Januar wieder aufgenommenen Friedensgespräche zwischen der israelischen und der palästinensischen Führung. Wieczorek-Zeul begann den Besuch mit einer Kranzniederlegung in der Holocaust- Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Kurz zuvor war Sderot vom nur fünf Kilometer Luftlinie entfernten Gaza-Streifen aus, der von der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas kontrolliert wird, mit mehreren Raketen beschossen worden. Drei Menschen wurden laut israelischen Medienberichten dabei verletzt, einer davon schwer. Wieczorek-Zeul besucht heute Sderot, um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen und um ihre Unterstützung für die Einwohner der Stadt zu demonstrieren, die seit Monaten Ziel von Angriffen mit Kassam-Raketen ist. Von Sderot fährt die Wiesbadener Bundestagsabgeordnete ins Westjordanland, wo sie deutsche Hilfsprojekte besucht und zu einer Unterredung mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zusammenkommt. Deutschland investiert bis 2010 rund 200 Millionen Euro in den Aufbau von Infrastruktur und Verwaltung in den palästinensischen Gebieten. Der aus Deutschland stammende israelische Schriftsteller und Friedensaktivist Uri Avnery warnte bei einem Treffen mit Wieczorek-Zeul vor einer Eskalation der Situation im Gazastreifen, die möglicherweise in einen Grenzdurchbruch Richtung Israel und damit eine mögliche Konfrontation mit dem israelischen Militär münden werde. Er plädierte für eine Änderung des Umgangs mit der Hamas und der Aufnahme von Verhandlungen. Die israelische Außenministerin Zipi Liwni hat erst kürzlich die Europäer vor einem Kurswechsel gegenüber der als Terrororganisation eingestuften Hamas gewarnt. Mit einer kilometerlangen Menschenkette haben unterdessen tausende Palästinenser gestern im Gazastreifen gegen die Blockade des Autonomiegebiets protestiert. An einer etwa 40 Kilometer langen Verbindungsstraße zwischen dem südlichen und nördlichen Teil des Gazastreifens versammelten sich zahlreiche Menschen und reichten sich die Hände. Die radikal-islamische Hamas-Bewegung, die den Protest organisiert hatte, sprach von 50000 Teilnehmern. Es gab jedoch keine unabhängigen Schätzungen. Israelische Medien berichteten, es hätten erheblich weniger Menschen als erwartet teilgenommen.

