Expertin fordert bessere Schulung für Hundehalter - Hessen soll Vorreiter werden
07.12.2011 - WIESBADEN
Von Ingeborg Toth
Ein Mastino Neapolitano gilt als direkter Nachkomme römischer Gladiatoren-Hunde: Die bis zu 70 Kilo schweren Tiere mit dem schwarzen Fell können anhängliche, ruhige Begleiter sein. Scharfgemacht sind sie lebensgefährlich.
Seit die Kampfhundeverordnung in Hessen in der Welt ist, braucht man eine besondere Erlaubnis, um Mastinos zu halten. Wer sich diese Mühe nicht machen will, macht neuerdings Golden Retriever scharf. Hundehändler und zweifelhafte Züchter verkaufen sie als „Raufer und Beißer“ – die Nachfrage steigt.
Muss die Liste der Kampfhunde jetzt erweitert werden? Darüber sprach die Hundeexpertin Inge Büttner-Vogt mit dem tierschutzpolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Klaus Dietz, sowie seinen Fraktionskollegen Peter Seyffardt und Peter Stephan. In der Kampfhundeverordnung ist zu lesen: Nur Menschen, die Sachkunde nachweisen und zuverlässig erscheinen, bekommen die Erlaubnis einen Hund zu halten, dem generell eine „gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit“ unterstellt wird. So pauschal lässt das Inge Büttner-Vogt nicht gelten. Man müsse mit großen und starken Hunden umgehen können: „Respektvolle, konsequente Erziehung zur Unterordnung ist notwendig, wenn man über sie nicht die Kontrolle verlieren will.“
"Jeder Hund ist scharf zu machen"
Um jede Erlaubnis zu umgehen und auch nicht nach der eigenen Zuverlässigkeit gefragt werden, sei in einschlägigen Kreisen jetzt ausgerechnet ein Hund in Mode gekommen, den sein sanftes Wesen eigentlich zu einem angenehmen Begleiter macht. Tatsächlich, so sagt Inge Büttner-Vogt, „kann man auch aus diesem gut erziehbaren, liebenswürdigen Tier einen ‚Kampfhund‘ machen. Jeder Hund ist scharf zu machen. Eines Tages landen wir beim ‚Kampfdackel‘ “. Die Expertin sagt, in die Kampfhundeverordnung gehöre der Satz: „Es ist verboten, Hunde aller Rassen durch Training und Ausbildung gegenüber Menschen und Hunden intolerant zu machen.“
Die Hundeexpertin hat den Abgeordneten in einem Gespräch klar gemacht: „Es hilft nichts, jetzt Golden Retriever auf die Liste zu setzen.“ Man müsse das Problem grundsätzlicher angehen – auch wenn das Thema „Kampfhunde“ derzeit nicht die Schlagzeilen beherrsche. Inge Büttner-Vogt kennt genug Beispiele, bei denen es zu „Beinahe-Zwischenfällen“ gekommen ist: Sie berichtet von der Frau, die mit Tochter und einem Mischlingshund im Goldsteintal spazieren geht. Zwei ausgewachsene Wolfshunde stürmen auf die Dreiergruppe zu. Die Mutter hatte ihrer Tochter beigebracht, auf keinen Fall wegzurennen, um nicht zur „Beute“ zu werden. Das Kind bleibt zitternd stehen. Seine Mutter stellt die Wolfshunde-Besitzerin zur Rede. Was ihr einfalle, zwei unerzogene Hunde auf eine Fünfjährige losstürmen zu lassen. Die Halterin sagt kühl: „Wieso erschreckt sich denn Ihre Tochter, Sie haben doch selbst einen Hund.“
Inge Büttner-Vogt: „Dieser Geschichte zeigt, dass gegen die fehlende Erziehung der Hunde angegangen werden muss. Gegen die Rücksichtlosigkeit von Haltern, die immer sagen: ‚Mein Hund tut nichts, der will nur spielen‘ “. Hunde, so sagt Inge Büttner-Vogt, „ müssen vor ihren inkompetenten Haltern geschützt werden“. Kinder, Jogger, Reiter und Spaziergänger hätten ein Recht darauf, vor unerzogenen Hunden bewahrt zu werden. „Die Hundebesitzer, die ihre Hunde erziehen, leiden unter den Unbelehrbaren.“

