Flughafenausbau mit neuen Routen: Das sagt die Fluglärmkommission
28.01.2011 - REGION
Das Interview führte Markus Lachmann
Auf welchen Flugrouten wird nach dem Ausbau des Frankfurter Airports geflogen? Die Flugsicherung hat nun ihre Routenvarianten der Fluglärmkommission vorgestellt. Wir sprachen dazu mit dem Raunheimer Bürgermeister Thomas Jühe, Chef der Kommission.
Herr Jühe, das Unwort des Jahres 2010 lautet „alternativlos“. Warum ist die Südumfliegung nach Rheinland-Pfalz ohne Alternative?
Seit 2002 ist bekannt, dass es nach dem Ausbau des Frankfurter Flughafens aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich sein wird, die Nordabflüge wie gewohnt über dem Main-Taunus-Kreis abzuwickeln. Die Alternative dazu ist es, diese Flüge zunächst südlich zu führen, um sie dann kurz vor Mainz nach Norden drehen zu lassen.
Was sagen Sie zu den Vorwürfen, das Ganze sei politisch motiviert? Immerhin hat das den schönen Nebeneffekt, dass der Taunus entlastet und Lärm ins Nachbar-Bundesland verschoben wird.
Das ist Unsinn. Es hat keine Einflussnahme auf die Planung der Routen gegeben. Die von der Flugsicherung geschilderten Sicherheitsgründe sind absolut nachvollziehbar. Für einzelne Kommunen im Main-Taunus-Kreis mag das ein Glücksfall sein - allerdings werden auch Städte wie Hochheim und Flörsheim massiv durch Anflüge auf die neue Nordwest-Bahn belastet.
Die Vertreter der rheinland-pfälzischen Landesregierung haben unter Protest die Sitzung der Lärmkommission verlassen. Klamauk?
Ich möchte das Verhalten einzelner Mitglieder nicht bewerten. Allerdings schien das doch vorbereitet, denn es war absehbar, dass der Antrag der Rheinland-Pfälzer, die Präsentation der neuen Flugrouten durch die Flugsicherung zu verschieben, keine Mehrheit finden würde. Das finde ich schade, denn den Vertretern aus Rheinland-Pfalz wurde damit die Möglichkeit genommen, sich zu informieren und Nachfragen zu stellen.
Sechs Routen sind eingebracht worden, was sind die wesentlichen Unterschiede?
Fast alle Varianten führen in konzentrischen Kreisen um Rüsselsheim herum. Eine geht sogar über Rüsselsheim hinweg, doch das ist die theoretischste aller Möglichkeiten, denn die Stadt ist ja schon durch Anflüge stark belastet.
Was passiert mit diesen Varianten?
Jetzt wird beurteilt: Mit wie vielen Betroffenen hat man zu tun, welchem Lärm werden diese ausgesetzt sein? Das sind aufwändige Prüfverfahren. Das Ergebnis wird am 21. Februar auf dem Tisch liegen, und dann wird man sehen, wie sich die Fluglärmkommission positioniert. Eines will ich aber auch sagen: Die Kommission möchte keine „bessere Ausbauplanung“ machen und eigenständig Flugroutenplanung betreiben.
Grundsätzlich wird an dem Prinzip Südumfliegung nicht mehr gerüttelt?
Das kann man sagen. Die von der Flugsicherung eingebrachten Aspekte wie Kapazitäts- oder Sicherheitsbelange können wir nicht beeinflussen.
220 Flüge gibt es derzeit am Tag auf der alten Tabum-Route. Wie viele davon werden auf die neue Südumfliegung verlagert?

