(dpa). US-Präsident Barack Obama ist am Freitag in Baden-Baden von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit militärischen Ehren empfangen worden. Bei herrlichem Sonnenschein ging Obama gemeinsam mit der Kanzlerin über den roten Teppich. Er winkte kurz in die Menge und schritt die Ehrenformation der Bundeswehr ab.
Bundeskanzlerin Angela Merkel geht davon aus, dass die Nato am Abend bei ihrem Gipfel in Baden-Baden einen neuen Generalsekretär bestimmen wird. „Wir wollen heute Abend die Nachfolge bestimmen“, hatte sie vor ihrem Treffen mit US-Präsident Barack Obama gesagt. Sie wünsche sich wie viele andere Staats-und Regierungschefs der Nato, dass der dänische Regierungschef Anders Fogh Rasmussen den Posten von Jaap de Hoop Scheffer übernehme.
"Welt ohne Nuklearwaffen"
Vor dem Treffen mit Angela Merkel hatte Obama bei einer Versammlung mit mehreren tausend Schülern in Straßburg gesagt, dass er eine Welt ohne Atomwaffen anstrebe. Er werde dazu am Wochenende beim Gipfeltreffen der EU und der USA in Prag einen Fahrplan vorlegen, sagte er. „Dieses Wochenende in Prag werde ich eine Tagesordnung vorlegen, um das Ziel einer Welt ohne Nuklearwaffen zu verfolgen“, sagte Obama.
Die Zukunft der Welt liege nach seiner Überzeugung in den Händen der Jugend. „Es sind die jungen Leute, die die Führung übernehmen müssen“, sagte Obama weiter. Der Fortschritt sei manchmal langsam, auch weil Fehler gemacht würden, sagte der Präsident unter Anspielung auf die Krisen in der Welt. „Aber wir können das Unwahrscheinliche, manchmal das Unmögliche tun.“
Obama hat Europa außerdem zum Schulterschluss im Kampf gegen den Terrorismus aufgerufen. „Europa sollte nicht denken, dass die USA die Lasten allein schultern können“, sagte er. Terrororganisationen wie El Kaida suchten keine Verständigung, ihr Kampf sei ideologisch motiviert und ziele auf die Tötung unschuldiger Zivilisten. Auch die Lösung des Nahostkonflikts oder ein anderes Verhalten der freien Welt würde an dieser „verdrehten Ideologie“ nichts ändern. Dennoch gelte es auch für den Westen, der islamischen Welt mit mehr Respekt zu begegnen.
Händedruck mit dem US-amerikanischen Präsidenten
Die Chance war klein – und doch ist es zwei Heidelberger Studenten gelungen, US-Präsident Barack Obama in Straßburg persönlich eine Frage zu stellen. Noch mehr: Matthias Kutsch hat Obama und Ehefrau Michelle sogar die Hand geschüttelt. „Das fühlt sich super an. Das ist schon etwas Besonderes“, sagte der 25-Jährige euphorisch im Anschluss der Deutschen Presse-Agentur dpa. Kutsch war gemeinsam mit mehr als 300 Schülern und Studenten über das Deutsch-Amerikanische Institut (DAI) in Heidelberg zu dem besonderen Treffen eingeladen worden.
Gleich als zweiter Gast kam der Student an die Reihe bei dem Treffen Obamas mit Jugendlichen aus Frankreich, Deutschland und den USA. „Noch während ich meine Frage stellte, gingen die ersten SMS auf meinen Handy ein, weil ich ja im Fernsehen zu sehen war“, schilderte Kutsch. Der Geschichts- und Politik-Student fragte den US-Präsidenten nach dessen Strategien gegen die Armut in der Welt. „Den Teil der Antwort, wo er auf seine eigene Biografie verwies und Hilfe zur Selbsthilfe als eine Weg benannte, fand ich gut“, meinte der gebürtige Unterfranke. „Für mich war die Message der Begegnung: Macht etwas aus Eurem Leben.“
Auch Studentin Ines Funke – ebenfalls mit dem DAI angereist – war glücklich. Die 19-Jährige konnte Obama fragen, ob er es bislang bereut habe, für das Präsidentenamt zu kandidieren. „Ich dachte, ich wäre nervöser“, sagte sie. Mit der Antwort des Präsidenten war die Heidelbergerin, die Mathe, Französisch und Politik studiert, zufrieden. Fundiert und ernsthaft, so ihr Urteil.
Kein Schutzpatron Europas
Mit Obama-Sprechchören und begeistertem Applaus hatten zuvor rund 500 ausgewählte Straßburger den neuen US-Präsidenten zum Nato-Jubiläumsgipfel begrüßt. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen kam Barack Obama am späten Vormittag mit seiner Frau Michelle in der Innenstadt an. Dort wurde er von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und dessen Frau Carla empfangen. „Es ist gut, hier zu sein“, sagte Obama zu Sarkozy. Beide tauschten Wangenküsschen aus, ebenso die beiden Frauen.
US-Präsident Barack Obama hat die europäischen Nato-Partner zur Verstärkung ihrer militärischen Anstrengungen aufgefordert. „Wir wollen starke Verbündete“, sagte er am Freitag in Straßburg nach einem Gespräch mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Die USA würden gerne sehen, dass Europa sehr viel stärkere Verteidigungskapazitäten habe. „Wir wollen nicht der Schutzpatron Europas sein, wir wollen der Partner Europas sein.“
Sarkozy und Obama sprachen auch über die von den USA angekündigte Schließung des Gefangenenlagers Guantánamo auf Kuba. „Wir brauchen Hilfe bei bestimmten Häftlingen“, sagte Obama. Es gebe aber zum jetzigen Zeitpunkt „keine Ankündigungen“ zu machen. Sarkozy sagte, Guantánamo entspreche nicht den Werten der USA. Sein Land wolle Hilfestellung geben und sei bereit, ehemalige Gefangene aufzunehmen.
Rund 350 Festnahmen in Straßburg
Frankreich gab den USA Rückendeckung bei ihrer neuen Afghanistan-Strategie. „Wir unterstützen vollständig die neue amerikanische Strategie in Afghanistan“, sagte Sarkozy. Obama machte deutlich, dass die USA niemanden nach Afghanistan zwinge. „Ich musste kein strampelndes und schreiendes Frankreich nach Afghanistan hineinzerren“, sagte der US-Präsident.
Rund 500 Nato-Gegner haben am Freitag in Baden-Baden friedlich gegen das Militärbündnis protestiert. Kurz vor dem ersten Deutschland-Besuch von Barack Obama als US-Präsident versammelte sich die Menge am Stadtrand zu einer Kundgebung. Zunächst hatte die Polizei bis zu 2.000 Menschen in der Kurstadt erwartet. Für den Protestzug galten strenge Auflagen. Es durften keine Masken und Schminke benutzt werden. Die Nato-Gegner mussten einen Mindestabstand zu den Polizisten einhalten.
Mehrere hundert Schaulustige versammelten sich währenddessen in der Baden-Badener Innenstadt an der kurzen Protokollroute, auf der Obama nach seiner Landung zum Marktplatz gebracht werden sollte. Am Donnerstagabend hatten in Baden-Baden rund 100 Menschen demonstriert, in Straßburg kam es bei Krawallen zu rund 350 Festnahmen.
Die Nato feiert bei dem von Deutschland und Frankreich gemeinsam ausgerichteten Gipfel ihren 60. Geburtstag. Nach zehn Jahren will das transatlantische Militärbündnis erstmals wieder eine neue Strategie in Auftrag geben.

