Von Eva Fauth
ZDF-CHEFREDAKTEUR Peter Frey - ein Binger kommt aus Berlin zurück
Peter Frey hat im ZDF eine steile Karriere hingelegt und ist nun an der Spitze angelangt: Der 52-Jährige wird ab 1. April 2010 Chefredakteur des Mainzer Senders. Nachdem der Verwaltungsrat auf Betreiben des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) im November eine Vertragsverlängerung für Nikolaus Brender abgelehnt hat, schlug ZDF-Intendant Markus Schächter gestern in Mainz den Leiter der Hauptstadtstudios vor. Ruckzuck wurde das abgenickt - was zu erwarten und für den Intendanten und das ZDF notwendig war.
Der Fall Brender war Skandal genug, mit Frey ging Schächter auf Nummer sicher: Dieser gilt als moderater Linker, folgt damit der politschen Farbenlehre, die Rot für diesen Posten ungeschrieben vorschreibt und hat gehört zu den ersten Journalisten im Land. Abseits aller Debatten um das ZDF und die politische Einflussnahme, die weitergehen werden: Peter Frey ist der zweite Mann, den der Intendant vorschlägt, aber journalistisch gesehen alles andere als zweite Wahl.
Geboren wurde Peter Frey 1957 in Bingen, sein Beruf hat ihn in die ganze Welt geführt: "Die Kindheit am Fluss schließt auf für die Welt", sagte er einmal im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Rhein vor der Haustür mit den Touristen aus aller Welt und den dahinziehenden Schiffen hätten in ihm das Fernweh geweckt. So verbrachte er schon während seines Studiums der Politik, Pädagogik und Spanischen Philologie in Mainz einige Semester in Madrid. Nach ersten journalisten Schritten bei Hörfunk und Zeitung - auch in dieser Zeitung erschienen Anfang der 80er Jahre Artikel mit seinem Kürzel "pf." - ging er 1983 zum ZDF und berichtete als Reporter aus der ganzen Welt.
Nicht nur die Binger verfolgten interessiert seinen Werdegang vom persönlichen Referenten des damaligen ZDF-Chefredakteurs Klaus Bresser (1988 bis 1990) zum Washington-Korrespondenten und Chef des "morgenmagazins" und später "auslandsjournals", bis Frey 2001 Leiter des ZDF-Studios in Berlin wurde.
Obwohl er mit seiner Frau und seiner Tochter seit 1992 an der Spree lebt, blieb er dem Rhein und seiner Heimatstadt immer eng verbunden: Für das Binger Stefan-George-Gymnasiums, wo er 1976 Abitur gemacht hat, steht er bis heute als Redner und prominenter Partner gerne zu Verfügung, trotz stressigen Jobs steht spätestens alle zwei Monate ein Besuch bei seinen Eltern in Bingen an.
Berlin, so sagt man, sei ihm und seiner Familie ans Herz gewachsen, weshalb es nun beim Wechsel nach Mainz auch ein weinendes Auge gibt. Aber Großstadtleben hin oder her: "In einem Winkel meines Herzens ist mir die rheinhessische Provinz immer sehr lieb geblieben", verriet er dieser Zeitung einmal.
In Berlin gehörte es zu Peter Freys Alltag, im Kanzleramt genauso wie in der SPD-Parteizentrale ein und aus zu gehen, Spitzenpolitiker zum Interview zu bitten und die wichtigsten Ereignisse im Land auf dem Bildschirm für das ZDF zu kommentieren. Als Chefredakteur in Mainz werden ab April 2010 Managementaufgaben im Mittelpunkt stehen.
Nicht nur bei Markus Schächter, dem er eng verbunden ist (beide engagieren sich im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken), ist Peter Frey willkommen. Als kollegialer und ausgleichender Typ wird er beschrieben. Und allem schwarz-roten Schubladendenken entgegen als unabhängiger Journalist, dem es immer um die Sache geht - ganz wie sein Vorgänger Nikolaus Brender übrigens. Und wie es der Zuschauer von einem Sender wie dem ZDF erwarten darf.

