Notfallmediziner tagen in Wiesbaden
10.02.2012 - WIESBADEN
Von Angelika Eder
Rund 1000 Besucher aus ganz Deutschland verzeichnet der 3. Deutsche Interdisziplinäre Notfallmedizin-Kongress (DINK) unter dem Motto „gemeinsam. leben. sichern“. Er wurde gestern in den Rhein-Main-Hallen eröffnet und dauert bis einschließlich Samstag. „Einmalig ist hier die Zusammenstellung von verschiedenen Fachgesellschaften und die Tatsache, dass Notärzte mit Rettungsassistenten in denselben Vorträgen sitzen“, sagte Mitorganisator Dr. Jörg Christian Brokmann, Universitätsklinik Aachen.
Neue Leitlinien
Das Veranstaltungsangebot, das zu 80 Prozent von Ärzten genutzt wird, unterteilt sich in den präklinischen Bereich, also die Notaufnahme, und den innerklinischen Bereich, und beschäftigt sich mit den medizinischen Schwerpunkten Schlaganfall, Polytrauma sowie Reanimation. Diesbezüglich werden auch die neuen Therapie-Leitlininien vorgestellt. „Die sind wissenschaftlich schon so fundiert und in die Tiefe gehend, dass das für den normalen Bürger keine direkte Auswirkung hat, außer, dass er besser versorgt wird.“
Die Missstände im Zusammenhang mit der Notfallversorgung sind laut Brokmann längst bekannt: „In Deutschland ist die Zahl der Ersthelfer zu gering. Und es erkennen viele Menschen ihren eigenen Schlaganfall nicht“ beziehungsweise ließen zu viel Zeit verstreichen, bis sie die 112 anriefen.
So stand unter anderem die Telefonreanimation auf dem Vortragsprogramm, also die Möglichkeit, einem medizinischen Laien in adäquater Zeit jene Maßnahmen zu vermitteln, die zur Wiederbelebung erforderlich sind. Der Austausch mit anderen war neben den Fachvorträgen ausschlaggebend dafür, dass Rettungsassistent Matthias Nobs aus Rheinfelden, Landkreis Lörrach, den Kongress besuchte. Das größte Interesse des Notarztes und Leiters der zentralen Notaufnahme am Krankenhaus Lörrach wiederum galt der „Schnittstelle zwischen der Versorgung außerhalb der Klinik und der Notaufnahme.“ Darüber hinaus sei nach wie vor die Frage der Einbindung des Rettungsdienstpersonals ein brisantes Thema: „Welche Aufgaben darf es übernehmen, welche Medikamente verabreichen, wenn kein Notarzt da ist?“
Welche Besonderheiten die Industrie in diesem Bereich bietet, zeigte eine kleine Ausstellung im Obergeschoss: Darin erweckte der „Meti-Man“ besondere Aufmerksamkeit: Diese Übungspuppe eines amerikanischen Herstellers atmet, bewegt die Lider, zeigt Pupillenreaktionen und schließt bei einer „Ohnmacht“ die Augen. Darüber hinaus kann man ihren Puls fühlen, und bei diversen Verletzungen verliert sie dank eingebauter Tanks „Blut“.
Teurer „Meti-Man“
Das Modell eignet sich laut Ronny Schürer, Mitarbeiter der Herstellerfirma, optimal für Rettungsdienste, aber auch für die Aus- und Weiterbildung der Mediziner. „Der Meti-Man“ ist einfach toll zum Üben und dient zur Qualitätssicherung von Kliniken“, preist der Informatiker sein neben ihm auf einer Trage liegendes Modell, und Brokmann bestätigt den großen Nutzen dieser Puppe, die auch in Osteuropa sehr gefragt sein soll. Die Kosten des Gummimannes mit der Physiologie eines Menschen sind allerdings sehr hoch: Für die preiswerteste Variante des Simulators sind 30 000 Euro zu zahlen.

