Von Manfred KnispelWIESBADEN - Die Nassauische Touristik-Bahn (NTB) fühlt sich nach der Finanzierungsabsage des Rheingau-Taunus-Kreis auch von der Stadt Wiesbaden im Stich gelassen. Statt Unterstützung, so heißt es jetzt in einem Brandbrief an den Oberbürgermeister, falle Eswe Verkehr der NTB mit dem City-Bahn-Projekt in den Rücken. Wiesbadens neuer Verkehrsdezernent Andreas Kowol bekräftigt indes seine Unterstützung für die NTB.
Verlängerung der City-Bahn nicht abgesprochen
Eswe Verkehr habe, so der Vorwurf von Klaus Wagner, dem Geschäftsführer der Aartalbahn Infrastruktur GmbH, mit dem „nicht abgestimmten Angebot“, die City-Bahn bis nach Bad Schwalbach zu verlängern, maßgeblich zum Scheitern der Finanzierungsvorlage im Kreistag beigetragen. Die von der NTB gegründete Infrastruktur GmbH hatte im Jahr 2014 die Strecke als neue Pächterin von Eswe Verkehr übernommen. Im Gegenzug erhält sie von der Stadt rund 1,5 Millionen Euro für Instandsetzung und Betrieb der Strecke, darunter eine Bürgschaft über 400 000 Euro für Sanierung oder Neubau der durch mehrere Unfälle beschädigten Brücke über die Flachstraße. Außer diesem Betrag sind insgesamt 580_000 Euro noch nicht ausgezahlt.
Wagner fordert nun in dem Brief an den OB eine Klarstellung, dass die City-Bahn-Verbindung nach Bad Schwalbach nicht weiter verfolgt werde. Stattdessen solle die Stadt eine „Wiederherstellung der Nutzbarkeit der Aartalbahnstrecke“ anstreben.
Bekenntnis für die Museumsbahn
Zahlreiche Pendler könnten dann eine reaktivierte Aartalbahn nutzen. Das Problem: Die geplante City-Bahn hat eine andere Spurweite als die Bahngleise. In jedem Fall, sagt Wagner, sollten in Zukunft „Alleingänge“ von Eswe Verkehr unterbleiben.
Wenige Tage nach Absenden dieses Briefes hat Dezernent Kowol auf der Jahreshauptversammlung der NTB ein Bekenntnis für die Museumsbahn abgelegt. „Ich will, dass die NTB den Museumsbetrieb fortführt“, stellte er im Gespräch mit dieser Zeitung klar. „Es ist kein Ruhmesblatt für Wiesbaden, dass wir seit 2009 nicht in der Lage waren, das Problem der Flachstraße-Brücke zu lösen“, sagt er: „Hut ab vor dem Verein, der das mit sich machen lässt.“
Museumsbahn und City-Bahn sollen harmonieren
Bis Spätsommer, so kündigte er an, solle eine neue Konzeption vorliegen. Bis zu einer möglichen Umsetzung der City-Bahn sei ein Museumsbetrieb nur auf Wiesbadener Gemarkung, das heißt bis zur Eisernen Hand, denkbar. Noch nicht völlig abgehakt habe er allerdings eine Beteiligung des Kreises. Die NTB bei der Landesgartenschau in Bad Schwalbach einzusetzen, halte er nach wie vor für eine charmante Idee. Als zeitliches Ziel sieht er eine Aufnahme der ersten Fahrten bereits im nächsten Jahr.
Langfristig will Kowol mit der NTB zudem ein Konzept erarbeiten, wie die Museumsbahn auch mit der City-Bahn harmonieren könnte. Möglich ist unter anderem ein drittes Gleis. Auch von Eswe ist zu vernehmen, dass „beides verträglich“ sein könnte. Vorausgesetzt indes, die Kosten seien geklärt. Als frühestes Datum für eine City-Bahn nach Bad Schwalbach steht derzeit 2025 im Raum. Kowol: „Da haben wir für unser Konzept keine Zeitnot, ohne es aber auf die lange Bank schieben zu wollen.“
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