Siegfried Schön geht seit 50 Jahren beim Eltviller Carnevalverein in die Bütt‘
07.02.2012 - ELTVILLE
Von Christine Dressler
„Mir macht es einfach Spaß, Leute zum Lachen zu bringen“, sagt Elferratsmitglied Siegfried Schön. Die Uniform hat er schon zu Hause angezogen, ebenso Ehefrau Lore ihr Clownkostüm. Mit ihr betritt der 74-Jährige eine Stunde vor Beginn der ersten ECV-Prunksitzung die Turnhalle der Freiherr-vom-Stein-Schule. Er weiß schon jetzt um 17.30 Uhr: „Es wird gegen 3 Uhr werden, bis wir heimgehen.“ Denn nach der Sitzung sitzen die älteren Aktiven noch eine Stunde gemütlich zusammen, und die Jüngeren tanzen.
Gleich zwei Büttenreden
Im Maskenraum trägt ihm Katja Bleul vom vierköpfigen Schminkteam mit einem Schwämmchen Rouge auf die Wangen auf und frischt es später vor Schöns Auftritten in der Bütt nur noch mal kurz auf. „Mehr Make-up brauche ich nicht“, sagt Schön. Als zweifacher Vater und Großvater sehe er „ja alt genug aus“ für den Auftritt als „Opa“ mit „Enkel“ Max Meth im ersten Teil.
Um den „Bossler“ im zweiten zu geben, zieht der Weingutsverwalter im Ruhestand um Mitternacht auch lediglich einen Kittel über. Unauffällig verlässt der Wahl-Eltviller aus Johannisberg dafür den Komiteetisch. Leo Gros, mit dem er seit der Kindheit befreundet ist, füllt die Leerstelle. „Seit 36, 37 Jahren“ sitzt Schön, der in der Jugend mit dem Vater in Johannisberg auftrat, im Komitee des ECV, für den er seit 50 Jahren in die Bütt steigt. Dass er das viel lieber macht, lässt er sich nicht anmerken.
Schön strahlt beim Einzug mit den Garden und winkt mit beiden Händen der gut gelaunten Menge in der proppenvollen Halle zu. Er half die ganze Woche täglich dabei, die Bühne so üppig zu schmücken sowie Tische und Stühle aufzubauen. Er wird auch wieder zum Team gehören, das alles bis hin zum eingezogenen Boden nach den Sitzungen vier Tage lang abbaut.
Schön schmunzelt und lacht bei jeder Rede, klatscht Stunde um Stunde bei jedem Lied und Tanz. Aber der Mann, der seit Jahren erfolglos seinen Rücktritt plant und diesmal unter anderem auch die Weinprobierstand-Kulisse für das „Rheinadel“-Trio malte, ist immer froh, wenn er das Komitee verlassen darf. „Mir gefällt fast jede Nummer“, aber ständig zu lachen und applaudieren sei „anstrengend“, gibt Schön zu, als er hinterm Vorhang Erika Mager letzte Tipps für ihren Gang als „Rentnergattin“ in die Bütt gibt. Er habe ihre Rede überarbeitet, für sie als Betonungsübung auf Band gesprochen und sie mehrfach abgehört, verrät Mager. Schön ist Coach für viele Redner.
Für seine eigenen Reden hat er nur ein paar Stichworte auf einem Minizettel notiert, „falls ich mal einen Blackout habe“. Der erfahrene Fassenachter ist so wenig aufgeregt wie Max - im Gegensatz zu seiner Frau. „Ich höre seine Vorträge vorher nie“, erklärt sie. Darum verlässt sie Küche- und Bewirtungsteam vor der Pause und erneut nach Mitternacht. Als Schön den „Bossler“ gibt, der nichts wegwirft, sondern alles wieder zusammenfriemelt, lauscht sie angespannt. Aber dann lacht und klatscht sie mit der Menge um die Wette - wie Stunden zuvor beim Wortgefecht mit Max.
Pointenschreiber für andere
Vor acht Jahren begann Max als Gardist und vor vier holte ihn Schön fürs Duo in die Bütt. Seitdem schreibt er dem jetzt 14-Jährigen die Pointen auf den Leib, wenn er nach Silvester in Reden gießt, was er übers Jahr an Ideen sammelte.
Da verneint Schön etwa, dass er den Unterschied zwischen Schwiegermüttern und Zigarren kenne. „Bei der Zigarre sind die ersten Züge die besten, bei der Schwiegermutter die letzten“, erklärt Max. Das Publikum johlt und Schön muss sich das Schmunzeln verkneifen. Er hat wieder erreicht, was er wollte: „Wenn alle lachen, ist es gut.“

